Das Auge liest mit …

Das Auge liest mit …

… und doch bleibt die Typografie im bestem Falle unsichtbar.

Bevor das Jahr endet gibt es doch noch einen Post zu einem Beitrag, der uns zwischen den Tagen beim gemütlichen Heißgetränk über den Weg gelaufen ist. Und weil man sich als Typograf oder zumindest typoaffiner Mensch so schön daran ergötzen kann, möchten wir diesen gerne an dieser Stelle teilen.

›Das Auge liest mit‹ ist mal wieder ein gut gemachter und interessanter Hörbeitrag von D-Radio Kultur. Irgendwie fiel uns gleichzeitig beim Hören aber auch der elitäre oder intellektuelle Beigeschmack von Themen wie Schrift im Sinne vom Schreiben, Lesen und Typografie … oder Sendern wie Deutschland Radio Kultur auf. Können wir uns als ›Insider‹ deshalb so an dem Thema ergötzen, da wir wissen, dass nur wenige von den Tiefen der Typografie oder überhaupt dem Begriff ›Typografie‹ und dessen Bedeutung Kenntnis haben?

Bei unserem Lehrauftrag an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig zur Vermittlung der Grundlagen der Typografie viel uns eine große Arroganz dem Thema gegenüber auf. Da waren Erstsemestler der Meinung, sie müssten nichts mehr über Schrift lernen, da sie schon alles wüssten — was uns verwunderte, da selbst wir als Lehrenden uns nicht anmaßen würden, tatsächlich schon ausgiebig genug in den Tiefen der Typografie gewühlt zu haben. Daneben bestand aber auch unter einigen Studierenden ein großes und trotziges Desinteresse gegenüber der Thematik. Obwohl uns dies zu Beginn des Lehrauftrages ziemlich enttäuschte (wir startet absichtlich mit einem Workshop mit aus unserer Sicht spannenden und sehr unterschiedlichen Aufgaben, um möglichst breitgefächert Anzusprechen), war es gleichzeitig auch einfach über diesen Missmut, Trotz, die fehlende Motivation und Arroganz zu stehen, da es unter den Kursteilnehmenden doch einige gab, die tatsächlich interessiert waren und mit denen man sein Wissen und die Begeisterung teilen konnte. An dieser Stelle ein Danke an diejenigen, es war uns eine Freude mit euch! Die Desinteressierten zukünftigen Gestalter werden wahrscheinlich schon noch erkennen, dass es ohne zumindest Basiswissen zur Typografie eben nicht läuft und auch alle, die meinten sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen, spätestens bei einem solchen Beitrag erkennen, dass dem wohl doch nicht ganz so sein wird.

Gleichzeitig macht ein solches Hörstück nachdenklich. Aristokratisches, elitäres Gehabe ist für uns auch wiederum weniger anziehend, denn nicht zuletzt bedeutet Schrift auch Macht und wie es mit diesen Verhältnissen bei uns auf der Erde steht wissen wir ja alle.

Was wir mitnehmen? Wir versuchen weiterhin auch im kommenden Jahr, vor allem unseren Kunden gegenüber, die Bedeutung von guter Typografie unter vollem Einsatz zu vermitteln (mit ›Stühle besteigen‹ und ›wildfuchtelnd Hände gen Himmel strecken‹) und unsere Faszination dem Thema gegenüber wo wir nur können weiterzugeben. — Ja, da sind wir gerne Nerds.

PS: Und deshalb müssen wir uns im kommenden Jahr der Gestaltung dieses Blogs widmen und unsere Komfortzone (Print) verlassen und uns, wie schon in diesem Jahr bei der Bearbeitung unserer Website, dem Digitalen widmen, damit es noch schöner wird einen Beitrag wie diesen zu lesen.